J.- G.- Fichte- Schule Mittweida
Mittelschule mit Ganztagsbetreuung
Pressespiegel
2007
Mehr rechtsextreme Straftaten an Schulen
 
22.11.2007 Freie Presse
Zahlen in Mittelsachsen steigen, während der Trend in Sachsen rückläufig ist - Linkspolitiker sieht hohen Handlungsbedarf
Von Gregor Tschung
 

Mittelsachsen. Die Zahl der rechtsextremen Straftaten an Schulen in Mittelsachsen ist gestiegen. Und das, obwohl die Zahlen sachsenweit rückläufig sind. Während im Freistaat vom Schuljahr 2005/06 zum Schuljahr 2006/07 ein Rückgang von 124 auf 111 Fälle bilanziert wurde, stieg die Zahl in Mittelsachsen von 16 auf 17. Besonders schlimm werden diese Zahlen, wenn man sie ins Verhältnis zur Bevölkerung setzt. Danach leben in Mittelsachsen gerade mal fünf Prozent der sächsischen Bevölkerung, aber mehr als zehn Prozent aller rechtsextremen Straftaten wurden hier registriert.
Die meisten derartigen Fälle waren im Landkreis Mittweida zu verzeichnen. Insgesamt wurden hier zehn Verfahren wegen Volksverhetzung und Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen eingeleitet. In Freiberg waren es drei und im Landkreis Döbeln vier Fälle. Meist sind es die Schulen, die derartige Vorkommnisse zur Anzeige bringen. So verfährt auch Matthias Möbius, Schulleiter der Fichteschule in Mittweida: "Wir kennen da kein Pardon." Dabei handele es sich bei den Tätern nicht unbedingt um Schüler seiner Schule. "Bei uns haben mehrfach Jugendliche aus dem Umfeld von ,Sturm 34' versucht, NPD-Material zu verteilen."
Doch es gibt ebenso Fälle, bei denen die Straftaten unmittelbar von Schülern ausgehen. Dorothea Rudolph von der Clemens-Winkler- Förderschule im Brand-Erbisdorfer Ortsteil St. Michaelis: "Bei uns hat ein Achtklässler Nazi-Musik von seinem Handy abgespielt, während eine Gruppe Kinder aus Tschechien zu Besuch war." Auch dieser Fall kam zur Anzeige. Doch dürfe aus ihrer Sicht die inhaltliche Auseinandersetzung nicht zu kurz kommen. Als beispielsweise ein Schüler die Schulhof-CD der NPD im Musikunterricht vorführen wollte, sei in der Klasse intensiv darüber geredet worden. Dabei sei dem Schüler auch deutlich gemacht worden, warum es für derartige Musik keine Plattform in der Schule gibt.
Rechtsextreme Straftaten kommen in Mittelsachen an nahezu allen Schulformen vor. Auch das Samuel-Pufendorf-Gymnasium in Flöha wurde schon mit braunen Parolen beschmiert.
Für Heiko Hilker von der Linksfraktion im Landtag sind die Fallzahlen in Mittelsachsen alarmierend: "Hier besteht hoher Handlungsbedarf." Das müssten die Verantwortlichen in den drei Landkreisen endlich erkennen. Besonders die Zunahme an Delikten im Landkreis Döbeln, die unter dem Oberbegriff Volksverhetzung geführt werden, seien besorgniserregend. Nach seinen Worten leiden zahlreiche Projekte gegen rechtsextreme Tendenzen vor allem daran, dass sie nicht dauerhaft gefördert werden. Außerdem reiche es nicht, dass für diese Arbeit in ganz Sachsen nur eine Million Euro zur Verfügung stehe.

23.11.2007