Mittweida. Eine solch lockere, aber dennoch überaus
lehrreiche Geschichtsstunde hätte sich Jürgen Staupe früher auch
gewünscht. Der Staatssekretär aus dem sächsischen Umweltministerium gab
dies offen zu, als er gestern Vormittag vor der Klasse 10 c der
Mittweidaer Fichte-Mittelschule stand und mit den Schülern anlässlich
des von der Staatsregierung ins Leben gerufenen "Tages der Demokratie"
mal ganz locker diskutierte.
Sein Kompliment galt einigen der eifrigen Schüler, aber auch
Geschichtslehrerin Christine Franz, die es in den 45 Minuten mitreißend
verstanden hat, unter anderem den Bogen zu spannen von der Antike über
die französische Revolution 1789 zur friedlichen Revolution 1989 in der
DDR. Dass es 1789 um Brot, also ums Essen für das Volk ging, wussten die
Schüler. Aber auch, worum es 1989 in der DDR ging? "Die Familien waren
getrennt", warf Frances Ruppelt in die Runde. "Die wollten bessere
Klamotten. Außerdem konnte man nicht reisen. Nur in die sozialistischen
Staaten", sagte der eifrigste "Mitarbeiter" in dieser Unterrichtsstunde,
Philipp Kilian. Und auch dass es in der DDR keine Bananen und Pfirsiche
gab, dass Dresden als das "Tal der Ahnungslosen" galt und ARD
kurioserweise für "Außer Raum Dresden" stand, war den Jugendlichen nicht
unbekannt. So manche Draufsicht dieser jungen Leute auf die
DDR-Geschichte, die sie nur aus Büchern und von den Erzählungen ihrer
Eltern kennen, rief auch bei dem Mann aus Dresden manche Erinnerung
wieder wach. Und obwohl er erst mit dem Pausenklingeln vor die Klasse
trat, löcherten ihn die Schüler mit ihren Fragen. "Was sind Ihre
Aufgaben?", wollte Jennifer Enzesberger wissen. "Das Ministerium leiten,
Abstimmungen zwischen Land und Bund treffen und Geld beschaffen",
informierte Staupe. Und auch anderen Fragen wich er nicht aus. "Warum
ist Ministerpräsident Milbradt zurückgetreten?", fragte Philipp Kilian.
"Wenn man Mehrheiten verliert, auch in der eigenen Partei, sollte man
das tun", antwortete der Gast aus Dresden. Dass laut Staupe der Staat
mit Steuergeldern Schulen, Krankenhäuser und... Straßen baut, dafür
Kredite aufnehmen muss und sich deshalb verschuldet, zauberte in
Philipps Gesicht ein verschmitztes Lächeln - er hat wohl in diesem
Moment an die Mittweidaer Straßen gedacht.
Zum Schluss hatte Staupe für jeden Schüler nicht nur eine
Überraschungstüte parat, sondern auch die Info, dass es anlässlich 20
Jahre Wende nächstes Jahr eine Wanderausstellung geben wird. Außerdem
werden Zeitzeugen gesucht, die z. B. vor Schulklassen über ihr Leben in
der DDR berichten möchten. |