J.- G.- Fichte- Schule Mittweida
Mittelschule mit Ganztagsbetreuung
Pressespiegel
2008
Mutig voran ins Feuer der Kritik
 
16.01.2008 Freie Presse
 
Sechs Mädchen und Jungen kommen zur Premiere einer Schreibwerkstatt mit dem Schriftsteller Günter Saalmann im Mittweidaer Müllerhof
Von Gudrun Frohmader
Mittweida. Fast wäre es nichts geworden mit der ersten Schreibwerkstatt für Kinder und Jugendliche. Denn die sechs Jungliteraten und Schriftsteller Günter Saalmann standen samt Organisator Robert Schmidt vom Verein Bewegende Bilder vor der verschlossenen himmelblauen Haustür des Mittweidaer Müllerhofes. Abstimmungs-Missverständnis. Aber nach einigen Telefonaten wurde doch noch alles gut und eine hilfreiche Fee vom Verein Müllerhof kam mit einem Schlüssel geeilt.
Und dann ging es mit einer Überraschung ans Werk. Denn nachdem sich Günter Saalmann, der viele Jahre in Mittweida lebte, bevor er 1982 nach Karl-Marx-Stadt-Chemnitz zog, ihnen mit einer Gute-Nacht-Geschichte aus dem "Königreich Siebenglück" bekannt gemacht hatte, ließ er die vier Mädchen und zwei Jungen im Alter zwischen 9 und 16 Jahren - malen. Eine Mausefalle. Aus den Bildern wurde eine literarische Nutzanwendung: "Ihr müsst eine Geschichte immer so schreiben, als wäre die Maus noch nicht gefangen. Der Bügel sollte gespannt sein. Der Leser will wissen: Wie geht es weiter? Geht die Maus rein in die Falle oder kommt sie davon? Wir wollen doch schreiben, um den anderen etwas mitzuteilen und das muss interessant und spannend sein." Was danach zu beweisen war. Der Satz "Die Oma schaute aus dem Fenster" sollte zu einer kleinen Geschichte weiter gesponnen werden. Die Ergebnisse offenbarten viel Phantasie, gerieten so unterschiedlich wie ihre Autoren - und wurden von Günter Saalmann feinfühlig rezensiert, denn auch das Schreiben hat gewisse Regeln. Das hatte er aber vorher angekündigt: "Wir wollen unsere Arbeiten gegenseitig vorlesen und darüber sprechen. Das ist nicht sehr angenehm, weil der Schreiber dann meist beleidigt ist, weil er glaubt, besser geht's nicht. Aber das denkt jeder Schriftsteller." Hut ab deshalb vor dem 16-jährigen Daniel aus der Mittweidaer Fichte-Schule, der mutig gleich zu Beginn eines seiner Gedichte, zumal ein Liebesgedicht, zur Begutachtung vorstellte. "Mit der Werkstatt wollen wir Kinder und Jugendliche, die schreiben, ermutigen weiter zu machen, ihre Kreativität auszuleben. Vielleicht wird so sogar der Grundstein für einen großen Autoren gelegt", meint Robert Schmidt. Und Günter Saalmann, der im Oktober 2007 an der Frankenberger Viehweg-Mittelschule bereits eine Schreibwerkstatt gegen Gewalt geleitet hat, fügt hinzu: "Vorlesewettbewerbe sind nicht alles. Schreiben ist künstlerische Arbeit."
Nach diesen ersten zwei Stunden jedenfalls waren sich alle einig: "Wir kommen wieder."

Tipp: Die Schreibwerkstatt für Kinder und Jugendliche findet immer am zweiten Freitag im Monat von 15 bis 17 Uhr im Müllerhof statt. Die Teilnahme ist kostenlos.

worte@bewegende-bilder.net
 

07.02.2008