| Und dann ging es mit einer Überraschung ans Werk. Denn
nachdem sich Günter Saalmann, der viele Jahre in Mittweida lebte, bevor
er 1982 nach Karl-Marx-Stadt-Chemnitz zog, ihnen mit einer
Gute-Nacht-Geschichte aus dem "Königreich Siebenglück" bekannt gemacht
hatte, ließ er die vier Mädchen und zwei Jungen im Alter zwischen 9 und
16 Jahren - malen. Eine Mausefalle. Aus den Bildern wurde eine
literarische Nutzanwendung: "Ihr müsst eine Geschichte immer so
schreiben, als wäre die Maus noch nicht gefangen. Der Bügel sollte
gespannt sein. Der Leser will wissen: Wie geht es weiter? Geht die Maus
rein in die Falle oder kommt sie davon? Wir wollen doch schreiben, um
den anderen etwas mitzuteilen und das muss interessant und spannend
sein." Was danach zu beweisen war. Der Satz "Die Oma schaute aus dem
Fenster" sollte zu einer kleinen Geschichte weiter gesponnen werden. Die
Ergebnisse offenbarten viel Phantasie, gerieten so unterschiedlich wie
ihre Autoren - und wurden von Günter Saalmann feinfühlig rezensiert,
denn auch das Schreiben hat gewisse Regeln. Das hatte er aber vorher
angekündigt: "Wir wollen unsere Arbeiten gegenseitig vorlesen und
darüber sprechen. Das ist nicht sehr angenehm, weil der Schreiber dann
meist beleidigt ist, weil er glaubt, besser geht's nicht. Aber das denkt
jeder Schriftsteller." Hut ab deshalb vor dem 16-jährigen Daniel aus der
Mittweidaer Fichte-Schule, der mutig gleich zu Beginn eines seiner
Gedichte, zumal ein Liebesgedicht, zur Begutachtung vorstellte. "Mit der
Werkstatt wollen wir Kinder und Jugendliche, die schreiben, ermutigen
weiter zu machen, ihre Kreativität auszuleben. Vielleicht wird so sogar
der Grundstein für einen großen Autoren gelegt", meint Robert Schmidt.
Und Günter Saalmann, der im Oktober 2007 an der Frankenberger
Viehweg-Mittelschule bereits eine Schreibwerkstatt gegen Gewalt geleitet
hat, fügt hinzu: "Vorlesewettbewerbe sind nicht alles. Schreiben ist
künstlerische Arbeit." |