J.- G.- Fichte- Schule Mittweida
Mittelschule mit Ganztagsbetreuung
Pressespiegel
2008

Lehrer und Schüler wollen politische Schule

 
19.04.2008 Freie Presse
 
Studie zur politischen Bildungsarbeit an Sachsens Schulen in Freiberg vorgestellt - Fazit: Schule wichtiger Ort demokratischen Handelns
 
"Wie unpolitisch darf Schule sein?" Mit dieser Frage befasst sich eine Studie zur politischen Bildungsarbeit an sächsischen Schulen. Ihr Fazit: Schule kann nicht unpolitisch sein, denn sie ist wichtiger Ort demokratischen Handels. Doch die Praxis zeigt verschiedene Sichtweisen.
Von Astrid Ring
Mittweida/Freiberg. Dass Schule einen politischen Auftrag hat, darüber sind sich am Donnerstagabend Lehrer, Schüler, Politiker und Forscher um Wolfgang Melzer von der Technischen Universität Dresden einig geworden. Melzer stellte die neue Studie, die im Auftrag der Friedrich- Ebert-Stiftung erarbeitet wurde, vor. Befragt wurden dafür Lehrer an Mittelschulen und Gymnasien.
 "Wir sind nach dem Schulgesetz verpflichtet, vor den Schülern Position zu beziehen und antidemokratischen Tendenzen entgegenzuwirken. Dabei müssen wir parteipolitisch zurückhaltend sein", brachte es Matthias Möbius, Schulleiter der Fichte-Mittelschule Mittweida, auf den Punkt. Schule nehme für sich in Anspruch, jungen Menschen Kenntnisse sowie Urteils- und Handlungsfähigkeit zu vermitteln, auf der Basis demokratischer Spielregeln. Doch nicht alle Schüler nehmen diese an.
Sozialarbeiterin hilft Schülern
"Ehemalige Schüler waren beispielsweise an Taten beteiligt, die in und um Mittweida der rechten Szene zuzuordnen sind", räumte Möbius ein. Die Ursachen dafür seien vielfältig. Ein zu starkes Augenmerk auf grundlegende Werte berge die Gefahr des Moralisierens, wie die Studie deutlich macht. Warum Schüler entweder interessenlos gegenüber Politik sind oder zum Extremismus neigen - diese Frage sei zu klären.
"Schüler müssen selbst tätig werden", erläuterte Melzer einen Ansatz der Studie. Die Fähigkeit, mit Konflikten umzugehen, sei als praktische Erfahrung wichtig. "Manche Schüler brauchen Beistand, weil sie es nicht allein schaffen", so Möbius. An der Fichte-Mittelschule lernen 390 Schüler, darunter 55 im Hauptschulgang. Eine Sozialarbeiterin kümmert sich um Jugendliche, die mit sich und der Gesellschaft nicht klar kommen. Möbius: "Meist sind es Hauptschüler."

Diskussionen über Politik und Demokratie über den Unterricht hinaus zwischen Schülern, Lehrern und Eltern zu führen, hält Roger Hoffmann, Vorsitzender des Kreiselternrates im Landkreis Mittweida, für nötig. Außerdem helfe Integration, Selbstbewusstsein zu stärken: "Regeln selbst aufzustellen, lässt junge Leute einfacher danach leben", erklärte Melzer einen Ansatz für Lehrer-Schüler-Eltern-Zusammenarbeit.

 Zu wenige mischen sich ein
Schule sollte stärker mit kommunaler Jugendarbeit und politischen Stiftungen zusammenwirken. Marie Schröter, Schülersprecherin am Brand-Erbisdorfer Cottagymnasium, wünscht sich mehr demokratisches Miteinander: "An meiner Schule gibt es zu wenig Engagement in der Vertretung von Schülern, Eltern und Lehrern. Rechte zum Einmischen nehmen zu wenige wahr." Dem widersprach Ralf Peterhänsel, Gemeinschaftskundelehrer am Freiberger Schollgymnasium. "Gerade Elfer und Zwölfer mischen sich ein. Pluralismus in der Schule ist gewünscht - auf demokratischer Basis." Auch kontroverse Debatten hält Peterhänsel für wichtig: "Wir wollen, dass Jugend ihren Idealismus lange behalten kann."

07.05.2008