|
2008 |
|
Lehrer und Schüler wollen politische Schule |
| |
|
|
|
|
|
Studie zur politischen Bildungsarbeit an Sachsens Schulen in Freiberg
vorgestellt - Fazit: Schule wichtiger Ort demokratischen Handelns |
|
|
|
"Wie
unpolitisch darf Schule sein?" Mit dieser Frage befasst sich eine Studie
zur politischen Bildungsarbeit an sächsischen Schulen. Ihr Fazit: Schule
kann nicht unpolitisch sein, denn sie ist wichtiger Ort demokratischen
Handels. Doch die Praxis zeigt verschiedene Sichtweisen. |
|
Von Astrid
Ring |
|
Mittweida/Freiberg. Dass Schule einen politischen Auftrag hat, darüber
sind sich am Donnerstagabend Lehrer, Schüler, Politiker und Forscher um
Wolfgang Melzer von der Technischen Universität Dresden einig geworden.
Melzer stellte die neue Studie, die im Auftrag der Friedrich-
Ebert-Stiftung erarbeitet wurde, vor. Befragt wurden dafür Lehrer an
Mittelschulen und Gymnasien. |
|
"Wir sind
nach dem Schulgesetz verpflichtet, vor den Schülern Position zu beziehen
und antidemokratischen Tendenzen entgegenzuwirken. Dabei müssen wir
parteipolitisch zurückhaltend sein", brachte es Matthias Möbius,
Schulleiter der Fichte-Mittelschule Mittweida, auf den Punkt. Schule
nehme für sich in Anspruch, jungen Menschen Kenntnisse sowie Urteils-
und Handlungsfähigkeit zu vermitteln, auf der Basis demokratischer
Spielregeln. Doch nicht alle Schüler nehmen diese an. |
|
Sozialarbeiterin hilft Schülern |
|
"Ehemalige
Schüler waren beispielsweise an Taten beteiligt, die in und um Mittweida
der rechten Szene zuzuordnen sind", räumte Möbius ein. Die Ursachen
dafür seien vielfältig. Ein zu starkes Augenmerk auf grundlegende Werte
berge die Gefahr des Moralisierens, wie die Studie deutlich macht. Warum
Schüler entweder interessenlos gegenüber Politik sind oder zum
Extremismus neigen - diese Frage sei zu klären. |
|
"Schüler
müssen selbst tätig werden", erläuterte Melzer einen Ansatz der Studie.
Die Fähigkeit, mit Konflikten umzugehen, sei als praktische Erfahrung
wichtig. "Manche Schüler brauchen Beistand, weil sie es nicht allein
schaffen", so Möbius. An der Fichte-Mittelschule lernen 390 Schüler,
darunter 55 im Hauptschulgang. Eine Sozialarbeiterin kümmert sich um
Jugendliche, die mit sich und der Gesellschaft nicht klar kommen.
Möbius: "Meist sind es Hauptschüler." |
|
Diskussionen über Politik und Demokratie über den
Unterricht hinaus zwischen Schülern, Lehrern und Eltern zu führen, hält
Roger Hoffmann, Vorsitzender des Kreiselternrates im Landkreis
Mittweida, für nötig. Außerdem helfe Integration, Selbstbewusstsein zu
stärken: "Regeln selbst aufzustellen, lässt junge Leute einfacher danach
leben", erklärte Melzer einen Ansatz für
Lehrer-Schüler-Eltern-Zusammenarbeit. |
|
Zu wenige
mischen sich ein |
|
Schule
sollte stärker mit kommunaler Jugendarbeit und politischen Stiftungen
zusammenwirken. Marie Schröter, Schülersprecherin am Brand-Erbisdorfer
Cottagymnasium, wünscht sich mehr demokratisches Miteinander: "An meiner
Schule gibt es zu wenig Engagement in der Vertretung von Schülern,
Eltern und Lehrern. Rechte zum Einmischen nehmen zu wenige wahr." Dem
widersprach Ralf Peterhänsel, Gemeinschaftskundelehrer am Freiberger
Schollgymnasium. "Gerade Elfer und Zwölfer mischen sich ein. Pluralismus
in der Schule ist gewünscht - auf demokratischer Basis." Auch
kontroverse Debatten hält Peterhänsel für wichtig: "Wir wollen, dass
Jugend ihren Idealismus lange behalten kann." |