Mittweida. Mit knapp 1400 Besuchern ist die gestern zu
Ende gegangene Ausstellung "Die braune Falle" in der Mittweidaer
Bürkel-Halle neben der Fichteschule außerordentlich gut angenommen
worden. "Es gab kaum freie Zeiten. Im Gegenteil: Oft waren zwei Gruppen
zugleich in der Ausstellung", sagte gestern Matthias Möbius, Leiter der
Fichteschule. Aus dieser Einrichtung hatten ab der 7. Klasse alle
Schüler die Ausstellung besucht, die Möbius als sehr anspruchsvoll
bezeichnete, unter anderem "weil man auch mal Originale sehen konnte und
immer zwei Personen vom Bundesamt für Verfassungsschutz vor Ort waren,
um Fragen zu beantworten".
Doch nicht nur Schüler der Mittweidaer Bildungseinrichtungen schauten
sich die Präsentation an, die anhand des fiktiven Lebenslaufs eines
Jugendlichen zeigt, wie junge Leute in rechtsextremistische
Gruppierungen hineingeraten, welche Erscheinungsformen extremer Gewalt
es gibt und wie manche es doch schafften, aus diesem Sumpf
herauszufinden. So reisten unter anderem Gruppen aus Chemnitz und
Burgstädt sowie dem Rochlitzer und Flöhaer Raum an. Den weitesten Weg
hatten 20 Schüler und vier Lehrer aus der bei Leipzig gelegenen
Mittelschule Trebsen. Sie gehört wie die Fichteschule zum Netzwerk der
Schulen mit Ganztagsangeboten in Sachsen und war so auf die Ausstellung
aufmerksam gemacht worden.
"Erst gestern habe ich mit zwei Schülern gesprochen. Beide fanden die
Ausstellung sehr beeindruckend", sagte Ilona Mai, stellvertretende
Leiterin den Rochlitzer Gymnasiums. Drei 9. und eine 10. Klasse seien in
Mittweida gewesen. Das in der Ausstellung Gesehene und die gewonnenen
Erkenntnisse und Eindrücke würden in den Unterricht einbezogen. Nicht so
einfach war der Stoff für die Schüler der Pestalozzi-Lernförderschule
Rochlitz. "Wir haben den Kindern vorher Aufgaben gegeben, durch die sie
gezielt durch die Ausstellung geführt wurden. Dadurch und durch die
Mitarbeiter des Verfassungsschutzes wurde der Besuch für die Schüler
interessant und informativ. Sie waren dann richtig bei der Sache und
haben sogar Fragen gestellt", erklärte Schulsozialarbeiterin Gabi
Holzasche.
Auch den Schülern der Heiner-Müller-Mittelschule Eppendorf wurden vor
der Fahrt nach Mittweida Aufgaben gestellt. Die Ausstellung zeige
anschaulich, "wie gefährlich diese Strömungen sind und wie schnell man
da reinrutschen kann". Der Ausstellungsbesuch ist dabei nach Angaben von
Simone Schröter, Gemeinschaftskundelehrerin an der Eppendorfer Schule,
für die Neuntklässler die Vorbereitung auf den Unterricht gewesen, in
dem das Thema demnächst behandelt werde. Interessant habe sie auch die
gezeigten Zeichen und Buchstabenverbindungen gefunden, die auf die
rechtsextreme Szene hindeuten. Weil das vielen Erwachsenen ein relativ
unbekanntes Feld sei, wolle sie beim nächsten Elternabend neben dem
Ausstellungsinhalt auch darüber informieren, betonte sie. |