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Meerane/Dresden. Acht sächsische Schulen besucht "Prinzen"-Sänger
Sebastian Krumbiegel bis Ende nächster Woche. Doch schon der Auftakt
seiner politischen Lesetour in Meerane endete mit einem kleinen Skandal.
Denn statt Schüler kamen hauptsächlich Lehrer der Tännicht-Mittel schule
in den Genuss des prominenten Gratis-Konzertes. Dabei ging es um ein
brisantes Thema. Krumbiegel liest, singt und debattiert über die
Schicksale von Ausländern in Deutschland, um ein Zeichen gegen
Rechtsradikalismus zu setzen.
"Die Tour wendet sich ganz klar an Schüler", machte gestern Irina
Schenk, Sprecherin des Sächsischen Kultusministeriums deutlich. Aber
auch Eltern und Lehrer seien willkommen. Das Ministerium finanziert
Krumbiegels Lesetour mit 28.000 Euro aus dem Programm "Weltoffenes
Sachsen für Demokratie und Toleranz".
Die Schulleiterin der Tännicht-Mittel schule in Meerane, Marion Kirmse,
bestätigte gestern auf Nachfrage, dass man sich im Kollegium darauf
geeinigt habe, dass alle Lehrer der Mittel schule das Konzert besuchen.
"Die Pädagogen tragen das Thema dann in ihre Klassen", sagte sie. So kam
es, dass auf den 220 vorhandenen Plätzen am Montag nur wenige Schülern
saßen.
Sebastian Krumbiegel sah die Zusammensetzung seines Publikums in Meerane
eher gelassen. "Ich habe mich schon etwas gewundert", räumte er gestern
Nachmittag während der Fahrt zum nächsten Auftritt ein. Aber
grundsätzlich sei jeder willkommen, der an dem Thema interessiert sei.
Morgen wird Krumbiegel in Mittweida auftreten. Und da sollte der
Altersdurchschnitt deutlich niedriger sein als in Meerane. "Dreiviertel
der 210 Konzertkarten gingen an Schüler", versichert Direktor Matthias
Möbius von der Fichte schule. Von den Siebt- bis Zehntklässlern, die
man für die Veranstaltung angesprochen habe, würde jeder Zweite kommen,
so Möbius. Für so manchen Schüler sei die Teilnahme jedoch logistisch
schwierig. "Unsere Kinder kommen aus 50 Orten der Umgebung. Da wird es
kompliziert, abends nach der Veranstaltung noch nachhause zu kommen",
erklärt der Direktor.
Die Lesetour des "Prinzen"-Sängers hält Möbius für eine gute Sache. "Die
Aufmerksamkeit der Schüler für so ein Thema ist wesentlich größer, wenn
ein Prominenter darüber spricht", ist sich der Schulleiter sicher.
Sebastian Krumbiegel hat angesichts der Frage, wer denn nun seine
Veranstaltung besuchen soll, einen Alternativvorschlag: "Ich würde mich
freuen, wenn niemand weggeschickt wird. Von mir aus können sich die
jungen Besucher im Schneidersitz einfach auf den Fußboden setzen." Auch
wenn nur wenige Schüler in Meerane zu Gast waren, eines freut den
Prinzen-Sänger trotzdem: "Die Resonanz war super und die anschließende
Podiumsdiskussion ein Riesenerfolg."
Der morgige Auftritt in Mittweida ist der letzte im Regierungsbezirk
Chemnitz. Danach gibt es den "Prinzen" noch in Hoyerswerda, Löbau, Pirna
und Freital zu hören.
Schüler waren Mangelware bei der Lesetour von "Prinzen"-Sänger Sebastian
Krumbiegel in Meerane. Wiegand Sturm |