J.- G.- Fichte- Schule Mittweida
Mittelschule mit Ganztagsbetreuung

Pressespiegel

2010

Freie Schulen befürchten harte Einschnitte

17.06.2010

Freie Presse

 

 

Sachsens Sparhaushalt und die Folgen in Mittelsachsen: Kulturraum-Sekretär sieht Einrichtungen bedroht

Von Babette Philipp und Eveline Rößler


Mittweida. Die Sachsen müssen wieder ihren Gürtel enger schnallen. Nach dem Entwurf des Doppeletats 2011/2012 sollen mehr als zwei Milliarden Euro gespart werden, vor allem bei Investitionszulagen für die Kommunen. Aber auch Schulen und Kultur sind betroffen: Für Angebote in Ganztagsschulen sollen künftig 9,3 Millionen Euro pro Jahr weniger ausgegeben werden, die freien Schulen bekommen 10 Millionen Euro und die Kulturräume 7 Millionen Euro weniger. Was sagen die Betroffenen dazu? Die "Freie Presse" hörte sich gestern um.

Matthias Möbius, Leiter der Fichte-Mittelschule in Mittweida: "Lehrer, die sich in Ganztagsangeboten engagieren, bekommen dafür künftig kein Honorar mehr. Sie sollen diese Zeit aus ihrem normalen Stundenfonds schöpfen. Hier sind wir gerade dabei, eine Lösung zu finden. Wenn wir gut planen und die Kräfte effektiv einsetzen, dürfte es keine Einschnitte beim Ganztagsangebot geben."

Frank Hunger, Leiter der Mittelschule Oederan: "Externe Anbieter bekommen weiter Honorar aus dem Ganztagsfonds. Die Lehrer müssen ihre Angebote in das Unterrichtsstundenvolumen integrieren. Wenn das aufgeht, bleibt alles, wie es ist."

Armin Frei, Leiter des Freien Gymnasiums Penig: "Ich bin erschüttert. Wir haben uns auf die Fahnen geschrieben, gerade durch geringere Klassenstärken individueller und anders auf die Schüler eingehen zu können. Wenn es aufgrund der Klassenstärken jetzt Kürzungen gibt, müssen wir entweder mit weniger Geld auskommen - zum Beispiel bei dem im Vergleich zu staatlichen Schulen ohnehin geringerem Gehalt sparen - oder die Philosophie unserer Schule überdenken. Ich hoffe, dass es zu dieser Konsequenz nicht kommen wird."

Daniela Zickmantel, 2. Vorsitzende des Trägervereins der Freien Gemeinschaftlichen Schule Maria Montessori in Freiberg: "Wir bekommen für jeden Schüler einen Zuschuss. Aus dem und den Beiträgen der Eltern finanzieren wir den Schulbetrieb. Es wäre ein krasser Einschnitt, wenn bei den Zuschüssen gekürzt würde."

Michael Hösel, Prorektor für Marketing und internationale Beziehungen der Hochschule Mittweida: "Ich hoffe darauf, was auf dem Bundesbildungsgipfel gesagt wurde: dass die Einschnitte bei der Bildung nicht so markant werden. Um Personalabbau werden wir aber nicht herumkommen. Aber dazu haben wir drei Jahre Zeit."

Wolfgang Kalus, Sekretär des Kulturraums Erzgebirge-Mittelsachsen: "Ich sehe heimische Kulturstätten bedroht. Man muss sich mal überlegen: Bis zu zehn Prozent weniger Geld, das sind 900.000 Euro weniger als bisher, die der Freistaat dem Kulturraum zuführen will. Da ist zu befürchten, dass auch Kommunen und Kreise weniger geben. Was uns bisher gelungen ist, Kultur in der Substanz zu sichern, geht verloren. Einrichtungen müssten dicht machen, Projekte sterben. Aber ich werde kämpfen wie ein Stier. Wir brauchen gerade in Zeiten wie diesen die Kultur, um Mut zu machen."


09.08.2010